Vernichtendes Zeugnis für die “Bildungsrepublik”

Vernichtendes Zeugnis für die “Bildungsrepublik”

Der sichere Umgang mit Computer- und Informationstechnik ist für die gesamte Bildungsbiographie besonders wichtig. Die Medienkompetenzen von Schülerinnen und Schülern der achten Klasse werden von der internationalen Vergleichsstudie “ICIL” erfasst. Zur heutigen Veröffentlichung der Ergebnisse erklärt Margit Stumpp, Sprecherin für Bildungspolitik:

„Die ICIL-Studie stellt Deutschland ein vernichtendes Zeugnis aus: keine Kompetenzverbesserungen in den letzten fünf Jahren, ein Drittel der Schüler*innen verfügen nur über Grundkenntnisse! Zudem rudimentäre IT-Infrastruktur und -Ausstattung und Schlusslicht bei der regelmäßigen Nutzung von digitalen Medien im Unterricht. Besonders verheerend: Das Kompetenzniveau ist stark abhängig vom soziökonomischen Hintergrund des Elternhauses und schreibt damit die Bildungsungerechtigkeit auch im Digitalen weiter. Damit dürfen wir uns nicht abfinden.

Es zeigt sich, dass digitale Fähigkeiten nicht vom Himmel fallen oder durch die Nutzung von Smartphones und Tablets automatisch erlernt werden. Digitale Kompetenzen und der kritische Umgang mit Medien müssen vielmehr Kern des Bildungsauftrags werden und sich über die komplette Bildungskette erstrecken; altersgerechte Medienbildung beginnt selbstverständlich bereits in der Kita. Es ist entscheidend, dass alle Pädagogen und Lehrerinnen in digitaler Kompetenzvermittlung aus- und weitergebildet sind. Hier zeigt ICILS den enormen Nachholbedarf. Bund und Länder müssen gemeinsame ihre Anstrengungen bündeln und verstärken. Hier könnte auch eine “Bundeszentrale für digitale und Medienbildung” helfen, in dem qualitätsgesicherte Angebote zur Verfügung gestellt werden und ein Überblick über die vielen bestehenden Angebote ermöglicht wird. Als unabhängige Plattform könnte sie bestehende Angebote prüfen, bündeln und bekannt machen. Daneben sollte diese Bundeszentrale medienpädagogische Projekte unterstützen und Begleitforschung koordinieren.

Guter und moderner Unterricht braucht gut ausgestattete Schulen, d.h. Breitband WLAN, Schulclouds, Lernplattformen und Endgeräte. Auch hier legt die ICIL-Studie den Finger in die Wunde und macht deutlich, was in den letzten Jahren alles versäumt wurde. Der Digitalpakt wird dieser Mammutaufgabe nicht gerecht, weil er sowohl befristet und zu klein geraten ist als auch die Kommunen mit der Wartung alleine lässt. Es braucht an jeder Schule IT-Personal und Medienpädagog*innen. Statt sich weiterhin hinter dem Kooperationsverbot zu verstecken, muss jetzt ein moderner Bildungsföderalismus etabliert, in die Zukunft investiert und die Bildungsinfrastruktur ausgebaut werden.

Klar ist auch: Die Technik folgt der Pädagogik. Lehrkräfte müssen in der Lage sein zu beurteilen, wann sie digitale Medien oder ein analoges Setting nutzen. Das gelingt nur mit besserer Aus- und Weiterbildung.

Wichtig ist auch das Empowerment von Mädchen und jungen Frauen, die höhere Kompetenzen aufweisen. Leider spiegelt sich das nicht in der Berufs- und Studienwahl wider. Es gilt, junge Frauen früh und aktiv für den MINT-Bereich als Zukunftsperspektive zu begeistern und ihre Potential besser zu fördern.

Die Studie zeigt, dass die neuen Technologien keine der Schwächen des deutschen Bildungssystems angehen: Soziale Herkunft, Geschlecht und Schulform bleiben weiterhin bestimmend für den Lernerfolg. Die riesigen Potenziale der neuen Technologien für die individuelle Förderung von jungen Menschen und damit für mehr Chancengerechtigkeit bleiben komplett ungenutzt. Das ist frustrierend und unverantwortlich.“

Das Statement wurde unter anderem von news4teachers, der Nordwest Zeitung, der Welt, den Potsdamer Neusten Nachrichten, dem Bildungsblog von Jan-Martin Wiarda, dem Handelsblatt und der Süddeutschen Zeitung aufgegriffen.

Süddeutsche Zeitung zum Sexualkundeunterricht

Süddeutsche Zeitung zum Sexualkundeunterricht

Die Süddeutsche Zeitung hat mich nach meiner Meinung zu einem zeitgemäßen Sexualkundeunterricht befragt. Meine Antworten:

Wie sieht nach ihrer Meinung ein zeitgemäßer Sexualkundeunterricht aus?

Wir brauchen in den Schulen eine altersgerechte und fundierte sexuelle Aufklärung. Kinder werden, auch durch das Internet, oftmals sehr früh mit diesem Thema konfrontiert, so dass sie Einordnung und Wissen darüber benötigen. Schule muss ein Ort sein, an dem Fragen gestellt und Probleme erörtert werden können. Die Sexualaufklärung muss auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren.

Durch Sexualerziehung soll Verantwortung gefördert und Prävention geleistet werden. Lernziele sind dabei, sich selbst und andere zu respektieren, Krankheiten und deren Übertragung sowie frühe bzw. ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden und den altersgemäßen Umgang mit der Vielfalt des Medienangebots zu lernen. Es sollten auch konkrete Probleme angesprochen werden, wie eine vielfach erhöhte Suizidrate homosexueller Jugendlicher oder Mobbing gegenüber Trans-Jugendlichen auf Schulhöfen.

Gibt es Bereiche, die Schulen im Rahmen der Sexualaufklärung besonders hervorheben bzw. komplett aussparen sollten? Falls ja, welche?

Besonders hervorzuheben wäre die Vielfalt und Akzeptanz unterschiedlicher Lebensformen. Ziele des Sexualkundeunterrichts sind demnach seelische Unversehrtheit, liebevolle Beziehungen und eine erfüllte Sexualität.

Ab welchem Alter bzw. welcher Klassenstufe sollten Kinder/Schüler im Unterricht mit dem Thema Sexualität konfrontiert werden?

Um zu einer Entmystifizierung des Themas beizutragen, ist auch ein kindgerechter Umgang ab der Grundschule denkbar. So existieren bereits Mediensammlungen mit altersgerechten Büchern zum Thema Vielfalt. Knapp die Hälfte der Mädchen bekommen mit elf oder zwölf Jahren ihre erste Regelblutung, Jungs im selben Alter nicht selten ihren ersten Samenerguss. Spätestens bis dahin sollte Schule sie darauf vorbereitet haben.

 

Den vollständigen Artikel gibt es auf sueddeutsche.de.