Zeitgemäßer Kinder- und Jugendmedienschutz
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Zeitgemäßer Kinder- und Jugendmedienschutz

Auf Anfrage der WELT AM SONNTAG äußerte ich mich als bildungs- und medienpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, zum Jugendmedienschutz wie folgt:

“Es braucht endlich einen zeitgemäßen Kinder- und Jugendmedienschutz und eine Präventionsstrategie, um die digitale Welt für Kinder und Jugendliche sicher zu gestalten. Neben einem effektiven Schutz vor gefährdenden Inhalten müssen Kinder und Jugendliche befähigt werden, sich kritisch und kompetent im Digitalen zu bewegen. Zur digitalen Bildung gehört neben der reinen Anwendungskompetenz zweierlei: Zum einen das technischen Wissen, um die Funktionsweisen und Wirkungen digitaler Technologien zu verstehen, und zum anderen die Fähigkeit, die großen Mengen an Informationen in der digitalen Welt bewältigen, filtern und einordnen zu können.

Im Schulbereich braucht es multiprofessionale Teams aus Pädagogen, Schulsozialarbeitern und Psychologinnen und mehr technisches Personal, um die Lehrkräfte zu entlasten. Ich plädiere für die Schaffung einer „Bundeszentrale für digitale und Medienbildung“, die als unabhängige Plattform bestehende Angebote der Medienbildung prüft, bündelt und bekannt macht. Sie könnte sich um die finanzielle und konzeptionelle Unterstützung medienpädagogischer und digitalpädagogischer Projekte kümmern, sollte bestehende Ideen und Erfahrungen vernetzen und könnte auch die Evaluation und Begleitforschung von Projekten koordinieren.”

HIER geht es zur Online-Version des entsprechenden Artikels in der WELT AM SONNTAG. Auch die Rheinische Post, die ZEIT, e-recht24.de, die Wirtschaftswoche und die Presse Augsburg berichten darüber online.

Vernichtendes Zeugnis für die “Bildungsrepublik”

Vernichtendes Zeugnis für die “Bildungsrepublik”

Der sichere Umgang mit Computer- und Informationstechnik ist für die gesamte Bildungsbiographie besonders wichtig. Die Medienkompetenzen von Schülerinnen und Schülern der achten Klasse werden von der internationalen Vergleichsstudie “ICIL” erfasst. Zur heutigen Veröffentlichung der Ergebnisse erklärt Margit Stumpp, Sprecherin für Bildungspolitik:

„Die ICIL-Studie stellt Deutschland ein vernichtendes Zeugnis aus: keine Kompetenzverbesserungen in den letzten fünf Jahren, ein Drittel der Schüler*innen verfügen nur über Grundkenntnisse! Zudem rudimentäre IT-Infrastruktur und -Ausstattung und Schlusslicht bei der regelmäßigen Nutzung von digitalen Medien im Unterricht. Besonders verheerend: Das Kompetenzniveau ist stark abhängig vom soziökonomischen Hintergrund des Elternhauses und schreibt damit die Bildungsungerechtigkeit auch im Digitalen weiter. Damit dürfen wir uns nicht abfinden.

Es zeigt sich, dass digitale Fähigkeiten nicht vom Himmel fallen oder durch die Nutzung von Smartphones und Tablets automatisch erlernt werden. Digitale Kompetenzen und der kritische Umgang mit Medien müssen vielmehr Kern des Bildungsauftrags werden und sich über die komplette Bildungskette erstrecken; altersgerechte Medienbildung beginnt selbstverständlich bereits in der Kita. Es ist entscheidend, dass alle Pädagogen und Lehrerinnen in digitaler Kompetenzvermittlung aus- und weitergebildet sind. Hier zeigt ICILS den enormen Nachholbedarf. Bund und Länder müssen gemeinsame ihre Anstrengungen bündeln und verstärken. Hier könnte auch eine “Bundeszentrale für digitale und Medienbildung” helfen, in dem qualitätsgesicherte Angebote zur Verfügung gestellt werden und ein Überblick über die vielen bestehenden Angebote ermöglicht wird. Als unabhängige Plattform könnte sie bestehende Angebote prüfen, bündeln und bekannt machen. Daneben sollte diese Bundeszentrale medienpädagogische Projekte unterstützen und Begleitforschung koordinieren.

Guter und moderner Unterricht braucht gut ausgestattete Schulen, d.h. Breitband WLAN, Schulclouds, Lernplattformen und Endgeräte. Auch hier legt die ICIL-Studie den Finger in die Wunde und macht deutlich, was in den letzten Jahren alles versäumt wurde. Der Digitalpakt wird dieser Mammutaufgabe nicht gerecht, weil er sowohl befristet und zu klein geraten ist als auch die Kommunen mit der Wartung alleine lässt. Es braucht an jeder Schule IT-Personal und Medienpädagog*innen. Statt sich weiterhin hinter dem Kooperationsverbot zu verstecken, muss jetzt ein moderner Bildungsföderalismus etabliert, in die Zukunft investiert und die Bildungsinfrastruktur ausgebaut werden.

Klar ist auch: Die Technik folgt der Pädagogik. Lehrkräfte müssen in der Lage sein zu beurteilen, wann sie digitale Medien oder ein analoges Setting nutzen. Das gelingt nur mit besserer Aus- und Weiterbildung.

Wichtig ist auch das Empowerment von Mädchen und jungen Frauen, die höhere Kompetenzen aufweisen. Leider spiegelt sich das nicht in der Berufs- und Studienwahl wider. Es gilt, junge Frauen früh und aktiv für den MINT-Bereich als Zukunftsperspektive zu begeistern und ihre Potential besser zu fördern.

Die Studie zeigt, dass die neuen Technologien keine der Schwächen des deutschen Bildungssystems angehen: Soziale Herkunft, Geschlecht und Schulform bleiben weiterhin bestimmend für den Lernerfolg. Die riesigen Potenziale der neuen Technologien für die individuelle Förderung von jungen Menschen und damit für mehr Chancengerechtigkeit bleiben komplett ungenutzt. Das ist frustrierend und unverantwortlich.“

Das Statement wurde unter anderem von news4teachers, der Nordwest Zeitung, der Welt, den Potsdamer Neusten Nachrichten, dem Bildungsblog von Jan-Martin Wiarda, dem Handelsblatt und der Süddeutschen Zeitung aufgegriffen.

Presseschau: Meine Antworten in der “Deutsche Kinderhilfe spezial”
Quelle: www.kinderversteher.de

Presseschau: Meine Antworten in der “Deutsche Kinderhilfe spezial”

Die Deutsche Kinderhilfe hat eine Sonderpublikation veröffentlicht mit dem Titel “Bildung ist MEHR wert! Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland”. Im Kapitel “Bildungspolitische Herausforderungen” wollte die Kinderhilfe von den bildungspolitischen Sprecherinnen unter anderem wissen,

  • was die Fraktionen gegen Bildungsarmut und Analphabetismus tun wollen,
  • wie unsere Position zum Bildungsföderalismus ist,
  • welche Maßnahmen wir für eine gelungene digitale Bildung vorsehen und wie wir den Digitalpakt Schule bewerten und
  • wie Inklusion in der Schule verbessert werden könnte.

Die Antworten sind ab Seite 69 im Kinderhilfe spezial “Bildung ist MEHR wert!” zu finden.

Rede zum ideenlosen Medienhaushalt der Regierung
Quelle: Parlamentsfernsehen/Deutscher Bundestag

Rede zum ideenlosen Medienhaushalt der Regierung

Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten, gezielte Desinformation und damit verbundene Diffamierung unseres demokratischen politischen Systems sind aktuelle Herausforderungen, die ein entschiedenes medienpolitisches Handeln auch der Bundesregierung erfordern. Leider fühlt sich die für die Medienpolitik zuständige Staatsministerin Monika Grütters (CDU) vor allem für die Kulturpolitik verantwortlich. In der Medienpolitik des Bundes fehlen deshalb schon seit Jahren der Mut und die Ideen, um wichtige Themen wie Medienkompetenz, Schutz von Journalisten oder auch die Stärkung der Kreativschaffenden, worunter auch Journalist*innen fallen, ernsthaft anzugehen. In der heutigen Generaldebatte zum Gesetzesentwurf über den Bundeshaushalt 2019 habe ich in meiner Rede deshalb besonders auf die vielen Enttäuschungen im Haushaltsplan der Beauftragten für Kultur und Medien hingewiesen:

Rede im Wortlaut:

Margit Stumpp (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Grütters, Sie sprachen heute nur vom Kulturetat. Dabei gibt es in diesen aufgeheizten Zeiten viele gute Gründe – das haben wir ja heute wieder live erlebt -, sich einer strukturierten Medienpolitik zu widmen. Was die Staatsministerin im Haushalt für dieses Jahr plant, ist schlicht ernüchternd. Wie wichtig vielfältige und unabhängige Medien für eine Demokratie sind, betonen ja auch die Koalitionäre gern. Aber warme Worte allein richten wenig aus gegen Diffamierung und Gewalt gegen Journalistinnen und Journalisten, gegen Fake News und Desinformation, gegen zunehmende Medienkonzentration. Der Mann mit Hut aus Dresden hat uns vor kurzem schlagend vor Augen geführt, in welch absurde Situationen Journalistinnen und Journalisten auch in Deutschland geraten können. Wir Grüne fordern: Gerade jetzt, gerade hier darf sich der Staat nicht zurückziehen, sondern muss die vierte Gewalt gezielt stärken. Im Haushalt 2019 der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien fehlen dafür jegliche Impulse.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Die Lage von Journalistinnen und Journalisten verschlechtert sich zusehends. Besonders die Gewalt von Rechts nimmt zu. Deshalb unterstützen wir den Auftrag der Linken, einen Beauftragten der Bundesregierung für den Schutz von Journalisten und Journalistinnen zu benennen.

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der LINKEN)

Dies flankiert die Bemühungen um einen entsprechenden Sonderbeauftragten der UN.

Außerdem fordern wir, dass Visa an verfolgte Journalistinnen und Journalisten aus dem Ausland im erleichterten Verfahren gewährt werden.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)

Anderes Thema. Ein Zitat aus dem Koalitionsvertrag 2013:

Medienkompetenz ist eine elementare Schlüsselkompetenz in unserer digitalen Gesellschaft und grundlegende Voraussetzung für einen selbstbestimmten Umgang mit den Medien und dem Netz für alle Generationen.

Wohl wahr! Mangelhafte Medienkompetenz macht nicht nur einen obersten Verfassungsschützer anfällig für Populismus und damit zu einer Gefahr für die Demokratie, sondern jede und jeden.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Deshalb ist es umso bitterer, dass die Regierung hier keinerlei Strategie erkennen lässt. Schlimmer noch, die Regierung kürzt die Mittel zur Stärkung der Medienkompetenz um 3 Millionen Euro – das sind drei Viertel des Ansatzes – auf magere 1 Million Euro. Das führt den eigenen Anspruch ad absurdum. Wo bleibt der Wille zur Stärkung der Demokratie?

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Dieser Wille ist auch gefragt bei der Unterstützung des Studios der Deutschen Welle in der Türkei. Im Haushalt 2018 sind die Investitionen verankert gewesen. Es fehlt aber jetzt der Aufwand für den Betrieb – gerade da, wo das Engagement als wichtig und dringlich gefeiert wurde. Solche Projekte brauchen Verlässlichkeit. Ein banges Hoffen auf Bereinigungssitzungen ist in Sachen Demokratieförderung fehl am Platz. Das betrifft übrigens auch die Grundforderung für die DW Akademie.

Letzter Punkt. Die Geringschätzung der Kultur- und Kreativwirtschaft durch die Beauftragte für Kultur und Medien manifestiert sich in der Kürzung der Mittel um 80 Prozent auf gerade noch 300 000 Euro. Eine vollständige Streichung wäre konsequent gewesen und würde den Stellenwert, den die Kreativen bei Schwarz-Rot haben, ehrlicher beschreiben.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wir Grüne wissen um die Bedeutung von Kultur und Medien für eine lebendige demokratische Gesellschaft. Der vorgelegte Haushalt würdigt diese Rolle nicht.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Simone Barrientos (DIE LINKE))