Zu den sogenannten Bildungstarifen erkläre ich als Sprecherin für Bildungspolitik:

“Ministerin Karliczek bleibt konsequent beim sich-nicht-zuständig-Erklären. Sie interessiert es nicht, dass mit den “Education-Tarifen” nur wenige Familien erreicht werden, gleichzeitig aber der Einstieg ins Zwei-Klassen-Internet erfolgt, weil der Tarif nur Bildungsangebote zugänglich macht. Doch wer darf entscheiden, ob Youtube, Netflix und Co. dafür zugänglich sind? Medienkompetenz? Fehlanzeige, leider auch bei der Ministerin! Junge Menschen lernen den selbstbestimmten Umgang mit und im Netz nur, wenn sie sich dort auch frei bewegen können.

Zum zweiten kann ein solcher Tarif auch keine Wirkung entfalten, wenn er lediglich von Schulträgern gebucht werden kann. Dass diese gerade voll damit beschäftigt sind, coronakonforme Unterrichtsmodelle zu realisieren, wird einfach ausgeblendet. Und so verschärft dieses Instrument die Bildungsungerechtigkeit statt ihr zu begegnen, da vor allem Kinder und Jugendliche profitieren werden, die eh schon in eher wohlhabenden Kommunen zur Schule gehen.

Denn dies lässt drittens die Familien an der Armutsschwelle im Regen stehen, die im Zweifel weder ein gefördertes Endgerät erhalten noch aufgrund ihrer ungünstigen Bonitätsprüfung Zugang zu Internet- bzw. Mobilfunkverträgen haben. So werden viele junge Menschen seit fast einem Jahr vom Fernunterricht ausgeschlossen.

Ich erwarte von Frau Karliczek, dass sie sich endlich ernsthaft darum kümmert, dass alle Kinder und Jugendlichen auch beim Aussetzen des Präsenzunterrichts lernen können und die Bildungsungerechtigkeiten nicht weiter wachsen. Statt einzelnen Telekommunikationsanbietern neue und zweifelhafte Geschäftsfelder zu eröffnen, sollte sie sich um diejenigen kümmern, die wirklich Hilfe brauchen. Und dazu zählen aktuell Familien ohne Endgeräte und/oder Internetzugang.”


Meine Schriftliche Frage hat das Bildungsministerium gewohnt schwammig und nichtssagend beantwortet:


Diese Meldung wurde aufgenommen vom Bildungsblogger Jan-Martin Wiarda.