Mein Förderprogramm für Schulen in benachteiligten Regionen und Quartieren

Nicht erst seit der Pandemie herrschen hierzulande große Ungerechtigkeiten bei den Bildungschancen. Die Herkunft und der Wohnort entscheiden oftmals mehr über den Bildungserfolg als die individuelle Leistung. Wir stellen fest, dass ausgerechnet die Kinder und Jugendlichen, die den größten Unterstützungsbedarf haben, oftmals auf die am schlechtesten Schulen gehen (müssen). Das ist nicht nur ungerecht, sondern vergeudet auch Ressourcen und Talente. Die Länder und Kommunen als Schulträger verfügen nicht überall über dieselben Möglichkeiten, für beste Bildung zu sorgen, weshalb der Bund dringend auch in die Verantwortung für Chancengerechtigkeit muss. Das gerade beschlossene Programm gegen Corona-Lernlücken springt zu kurz und geht nicht an die Wurzel der Ungerechtigkeit. Wie besser und nachhaltiger ausgestaltet sein könnte, zeigen wir mit unserem Bundesmodellprogramm zur Förderung von Schulen in benachteiligten Regionen und Quartieren.

Zentrale Forderungen des Antrags

  • Ein Bundesmodellprogramm zur “Förderung von Schulen in benachteiligten Regionen und Quartieren” auf den Weg zu bringen, um dortige Schulen konsequent und zielgerichtet zu unterstützen.
  • Dazu sind jährlich 400 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren einzusetzen. Die Mittelverteilung erfolgt gezielt nach festgelegten Sozialindizes, die sich an der sozialen Wirklichkeit von Schulen orientieren. Dies kann über Kriterien wie Sprachförderbedarf, Transferbezug, Kinderarmut, Arbeitslosigkeit, Bildungshintergrund des Elternhauses, Familieneinkommen, Schulabbruchquoten, Familiensprache oder Anteil Alleinerziehender geschehen. Hier soll wesentlich auf die Erfahrungswerte der Länder zurückgegriffen werden, die bereits ähnliche Programme initiiert haben;
  • Das Programm soll dazu beizutragen, dass multiprofessionelle Teams an Schulen breit etabliert werden, welche die Lehrkräfte gezielt entlasten. Zu diesen Teams gehören, je nach Anforderung der Schule, etwa Sozialarbeitende, Medienpädagog*innen, Psycholog*innen, Educational Technologists, Musik- und Theaterpädagog*innen, Erzieher*innen oder IT-Fachkräfte;
  • Daneben braucht es besondere Fördermaßnahmen der deutschen Sprache, Deutsch als Zweitsprache sowie Alphabetisierungsangebote.
  • Die bestehenden Kooperationsmöglichkeiten zwischen Bund und Ländern zu nutzen und perspektivisch weitere zu eröffnen;
  • Gemeinsam mit den Ländern sollten folgende flankierenden Maßnahmen umgesetzt werden:
    • die Verbesserung der digitalen Grundausstattung, d.h. sowohl ein technisches (Breitbandanschluss, WLAN-Ausleuchtung, Hardware, Software) als auch organisatorisches (E-Mailadressen und Messenger für alle Lehrkräfte und Schüler*innen, Zugang zu einer Lernplattform und Bildungs-Cloud) sowie pädagogisches Fundament (Fort- und Weiterbildungen, Austausch von best practices) sicherzustellen;
    • den Kommunalinvestitionsförderfonds über 2023 hinaus zu verlängern und aufzustocken, um den immensen Investitionsstau an den Schulen abzubauen, indem weitere Investitionen für Sanierung, Umbau, Barrierefreiheit und Erweiterung ermöglicht werden;
    • eine neue Gemeindefinanzreform anzustrengen, um die Kommunalfinanzen künftig für alle Städte und Gemeinden und ihre besonderen Bedarfe auskömmlich auszugestalten und gemeinsam mit den Bundesländern eine kommunale Altschuldenhilfe auf den Weg zu bringen.


Als Sprecherin für Bildungspolitik erkläre ich dazu:



“Mit dem Programm wollen wir einen bildungspolitischen Aufbruch einläuten. Damit die Corona-Krise nicht auch zu Bildungs-Krise wird, muss jetzt dringend und tatkräftig umgesteuert werden. Wir brauchen einen Gerechtigkeits-Boost in unseren Klassenzimmern. Dieser gelingt, wenn alle föderalen Ebenen für beste Bildung zusammenstehen und Bildungschancen garantieren. Das muss der Anspruch aller Beteiligten sein. Die Kooperationsmöglichkeiten zwischen Bund und Ländern müssen genutzt und erweitert werden. Statt eine Zusammenarbeit zu verbieten oder unnötig zu erschweren, brauchen wir endlich ein KooperationsGEbot. Schule und Bildung sind Gemeinschaftsaufgaben.”

“Unser Bundesmodellprogramm ist ein (grünes) Alleinstellungsmerkmal in den Bildungsdebatten im Deutschen Bundestag. Während wir immer wieder erleben müssen, wie Gelder per Gießkanne wenig effektiv über die Republik verteilt werden – wie zuletzt bei den Digitalpaktmillionen für Endgeräte -, treten wir dafür ein, denjenigen Schulen gezielt zu helfen, die die Unterstützung am meisten benötigen. Sozialindizes bieten dafür eine sehr gute Grundlage und wurden bereits in einigen Ländern erfolgreich erprobt. Es gibt also keinen Grund, noch mehr Zeit verstreichen zu lassen.”

“Kern des Programms sind multiprofessionelle Teams, die nicht nur die Lehrer*innen entlasten und die Unterrichtsversorgung verbessern, sondern auch individuelle Förderung ermöglichen und Lernlücken schließen können. Daneben leisten sie Präventions- und Interventionsarbeit, ermöglichen Nachhilfe und stellen ganzheitliche Problembewältigung sicher. Diese Teams arbeiten auf Augenhöhe, verfolgen eine gemeinsame Vision und ermöglichen durch ihre unterschiedlichen Blickwinkel die beste Unterstützung und Förderung für jedes einzelne Kind. Denn eine gerechte Schule ist gut für alle und anders für jeden und jede.

“Schulen sind für junge Menschen ein Mittelpunkt ihres Lebens, auf den sie zurecht stolz sein wollen. Dafür müssen sie Selbstbewusstsein vermitteln, Mut machen, Freiräume schaffen und neue Horizonte erschließen. Damit dies gelingt, muss Ungleiches auch ungleich behandelt werden, das gilt für die Schulen wie auch für die Schüler*innen. Nur wer sich wohl und geborgen fühlt, kann auch gut lernen und sich entwickeln.”