Auf der eingleisigen und nicht elektrifizierten Brenzbahn besteht dringender Handlungsbedarf. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Anfragen der Grünen-Bundestagsfraktion belegen, wie dringend in die Bahnstrecke investiert werden muss, um bessere und zuverlässigere Angebote zu ermöglichen. Landesweit gab es bis 2019 ein Plus der Reisendenzahlen um rund ein Viertel. Die Entwicklung entlang der Brenzbahn hinkt allerdings dem Landestrend deutlich hinterher. „Die Akzeptanz der Bahn hat vor dem Anbieterwechsel deutlich gelitten. Ausfallende und verspätete Züge sowie völlig veraltetes Wagenmaterial veranlassten viele Pendler*innen zum Umstieg auf den Pkw. Das führte zu einer völligen Überlastung der Straßen und einer unnötigen Belastung für die Umwelt,“ konstatiert Margit Stumpp, Grüne MdB des Wahlkreises. In Aalen und Herbrechtingen sind die Werte mit einem Plus von 20 bzw. 17 Prozent noch einigermaßen unauffällig. Hier wuchsen die Zahlen der Ein-, Aus- und Umsteiger auf 10.300 und 1.000 pro Tag. In Heidenheim und in Sontheim jedoch brachen die Reisendenzahlen um jeweils 13 Prozent ein. Gezählt wurden 3.400 und 900 Reisende. Giengen verzeichnete ein leichtes, aber eben deutlich unterdurchschnittliches Plus von nur vier Prozent auf 1.700 Reisende. 

„Hier zeigt sich“, so Gastel, (bahnpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion) „dass sich auf dieser Strecke kaum ein wirklich attraktiver Bahnverkehr organisieren lässt. Die begrenzte Infrastruktur setzt erhebliche Restriktionen, was sich auf Fahrzeiten, Taktung und Zuverlässigkeit auswirkt. Es muss investiert werden, um Engstellen zu beseitigen und höhere Geschwindigkeiten zu ermöglichen.“

Der Abgeordnete hatte eine ganze Reihe von überwiegend kurzfristig umsetzbaren Infrastrukturmaßnahmen im Schienennetz in Baden-Württemberg ausfindig gemacht. Da es sich allesamt um Bundesschienenwege handelt, hat er die Bundesregierung nach Plänen für deren Umsetzung gefragt. Bei der Brenzbahn ging es um Blockverdichtungen, den zweigeisigen Ausbau und die Streckenelektrifizierung. Der Bahnpolitiker verweist unter Bezugnahme auf eine Antwort der Bundesregierung außerdem darauf, dass derzeit zwischen Aalen und Ulm in 15 Bahnhöfen Zugkreuzungen erfolgen können, damit jedoch keine Angebotsausweitungen möglich sind. Auch ausreichend Abstellmöglichkeiten für Züge fehlen. Der Bund bestreitet nicht, dass erheblicher Handlungsbedarf besteht, verweist jedoch, obwohl er Eigentümer der Strecke ist, auf das Land. „Angesichts der Untätigkeit des Bundes ist es gut, dass wir uns kommunalpolitisch schon vor 10 Jahren auf den Weg gemacht haben, die Ertüchtigung der Brenzbahn voran zu treiben“, zeigt sich Margit Stumpp in Bezug auf die Haltung des Bundes ernüchtert, „Wir bohren zwar dicke Bretter, wissen aber zum Glück den Landesverkehrsminister, Winne Hermann, an unserer Seite.“



Das Landesverkehrsministerium hat den Handlungsbedarf erkannt. Es lässt Infrastrukturverbesserungen untersuchen. Dabei geht es um die durchgehende Elektrifizierung der Strecke, deren partiellen zweigleisigen Ausbau sowie mögliche neue Haltepunkte, so in „Aalen-Süd“.  Zweigleisige Abschnitte sollen entstehen zwischen Unterelchingen und Langenau, zwischen Niederstotzingen und Sontheim, zwischen Sontheim und Bergenweiler und womöglich auch zwischen Itzelberg und Oberkochen.

Gastel und Stumpp unterstützen ausdrücklich das in einer Absichtserklärung von Land, Landkreisen und Deutscher Bahn kürzlich definierte Ziel, „die Attraktivität der Brenzbahn für eine Ausweitung des Angebots im Personen- und Güterverkehr durch eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Infrastruktur zu erhöhen.“ Dazu die  beiden Grünen-Abgeordneten: „Das ist es, was wir auf der Brenzbahn brauchen: Mehr Züge und mehr Zuverlässigkeit auf einer leistungsfähigeren Infrastruktur.“