Nord Stream 2 gefährdet nicht die deutsche Energieversorgung, sondern die Europäische Einheit
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Nord Stream 2 gefährdet nicht die deutsche Energieversorgung, sondern die Europäische Einheit

Margit Stumpp, Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Aalen-Heidenheim (Bündnis 90/Die Grünen), widerspricht Roderich Kiesewetter in der Debatte um Nord Stream 2 und spricht sich für eine Beendigung des Gasprojekts aus:

“Mit seinen Äußerungen zu Nord Stream 2 hat Roderich Kiesewetter in einem wesentlichen Punkt Recht: Es war eine fataler Fehler, dieses Projekt auf den Weg zu bringen, denn es erhöht die Abhängigkeit unserer Energieversorgung von Russland und, mindestens genau so schwerwiegend, es gefährdet die Einheit und die Interessen Europas.

Trotz der ständigen Provokationen Russlands an Nord Stream 2 festzuhalten, wäre ein völlig falsches Signal an Putin. Wer dies dennoch tut und dies mit der Gefährdung der deutschen Energieversorgung begründet, führt in die Irre.

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat bereits im letzten Jahr eine Studie in Auftrag gegeben, die den klimagerechten Umbau des Gassektors untersuchte. Dafür hat die Agentur für Erneuerbare Energien in einer Analyse maßgebliche Klimaschutz-Szenarien ausgewertet. Die wichtigsten Ergebnisse der am Jahresbeginn veröffentlichten Studie sind:

  • Der Gasbedarf in Deutschland wird deutlich sinken. So reduziert sich der Primärenergieverbrauch von Gas bis 2030 bereits um 30 bis 40 Prozent, bis 2050 um 70 bis 80 Prozent.
  • Gebäude werden dank verbesserter Effizienz künftig größtenteils ohne Gas auskommen. Stattdessen kommen Wärmepumpen, Solarthermie, Biomasse sowie Nah- und Fernwärme auf Basis von Abwärme und Erneuerbaren Energien zum Einsatz.
  • Auch in Zukunft wird Gas weiter gebraucht, z.B. für Hochtemperaturprozesse in der Industrie, als Flexibilitätsoption im Strombereich oder in machen Verkehrsbereichen. Aus Klimaschutzgründen darf dann allerdings kein fossiles Erdgas mehr zum Einsatz kommen, sondern grüner Wasserstoff oder synthetisches Methan – hergestellt aus Ökostrom.
  • Damit das benötigte Gas so schnell wie möglich vollständig aus grünen Quellen kommt, muss es sparsamer und effizienter genutzt werden. Gleichzeitig müssen die erneuerbaren Energien deutlich schneller ausgebaut werden, damit zusätzlich zum Strombedarf der Bedarf an synthetischen Gasen gedeckt werden kann.

Fazit: Es besteht kein Bedarf an höheren Gasimporten, im Gegenteil, der Gasverbrauch wird massiv sinken, wenn die Bundesregierung in Bezug auf Klimaschutz und Energiewende endlich ihre Hausaufgaben macht.

Mit einem Geständnis von Wirtschaftsminister Altmaier, dass die Regierung, immerhin 15 Jahre im Amt, „Fehler gemacht und zu spät gehandelt“ habe, ist es nicht getan. Durch das Versäumnis, die Energiewende voranzutreiben wurden nicht nur die Klimakrise befeuert und die Transformation der Wirtschaft verschlafen, sondern auch Kriegstreiber finanziert und die Abhängigkeit von autoritär geführten Staaten zementiert.

Wer jetzt behauptet, die Sicherheit der Energieversorgung Deutschlands hinge von Nord Stream 2 ab, verkennt die Realität, diskreditiert die Energiewende und – sicherheitspolitisch hoch brisant – riskiert die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union.”

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