Margit Stumpp, medienpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, erklärt zur Jahresbilanz der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen:

„Journalist*innen gefährden durch ihre Arbeit nach wie vor vielerorts ihre Freiheit oder gar ihr Leben. Für mehr als die Hälfte der fast 400 inhaftierten Medienschaffenden sind die autoritären Regime in China, Saudi-Arabien, Ägypten, Vietnam und Syrien verantwortlich. In Europa ist Belarus das Negativ-Beispiel. Dort waren mehrere hunderte Medienschaffende, darunter auch von deutschen Medien, zeitweise wegen ihrer Berichterstattung über die regierungskritischen Proteste inhaftiert. Solche Verstöße gegen die Medien- und Meinungsfreiheit, egal ob in Europa oder anderswo, sind absolut inakzeptabel.

Auch wenn konkrete Fälle von Gewalt gegen Medienschaffende oft international geächtet werden, passieren sie immer noch zu häufig. Wo Einschüchterung oder Gewalt gegen Medienschaffende stattfinden, wird an den Grundfesten der Demokratie gesägt. Es ist unerlässlich, dass wir auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene zum einen die Bekämpfung von Hass und Hetze intensivieren und zum anderen endlich effektive Mechanismen zum Schutz von Journalist*innen finden. Eine Sonderbeauftragter zum Schutz von Journalist*innen auf Ebene der UN wäre ein ein wichtiger Schritt mit hoher Symbolkraft. Der Bundestag hat die Bundesregierung bereits vor drei Jahren aufgefordert, sich bei den UN-Partnerländern für die Schaffung einer solchen Position stark zu machen. Bisher leider ohne Erfolg. Angesichts der auch in Europa zunehmenden Feindesligkeit gegenüber Medienschaffenden darf gefragt werden: Wieso bemüht sich Deutschland nicht für eine solche Position auf EU-Ebene?“