Bildungspolitischer Debattenanstoß
Bildlizenz: CC 0 (Pixabay)

Bildungspolitischer Debattenanstoß

Nachdem pandemiebedingt sämtliche Schulen und Kitas geschlossen wurden, drängt inzwischen die Frage der Wiedereröffnung. Zwar haben sich die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin über eine schrittweise Öffnung der Schulen verständigt, es gibt für die Kitas bisher aber noch keine Visionen und Ideen der schrittweisen Öffnung. Uns Grünen ist es dabei wichtig, gerade benachteiligten bzw. bildungsfernen Kinder und Jugendlichen zeitnah eine Perspektive zu schaffen, um die Bildungsungerechtigkeit nicht noch zu vergrößern.

 
 
Die Kernforderungen sind:

  • Neue Wege zulassen, Kinder und Jugendliche pädagogisch zu begleiten (selbstverständlich unter Wahrung des Infektionsschutzes) – Unterschiedliche Voraussetzungen brauchen verschiedene und flexible Lösungsstrategien.
  • Betreuung in des Kitas ausweiten, gerade für Kinder mit Unterstützungsbedarf, in schwierigen sozialen Situationen oder von Alleinerzleihenden. (Die Systemrelevanz des Berufs der Eltern darf nicht das einzige Kriterium bleiben.)
  • Lehrkräfte sollten den Kontakt zu Schüler*innen mit Unterstützungsbedarf intensivieren –  digital, telefonisch, aber auch persönlich
  • Der Unterricht sollte mit verringerter Klassengröße und zeitlich alternierend wieder aufgenommen werden. Ein Wechsel von Präsenzunterricht und Homeschooling könnte mehr Kinder und Jugendliche aus der Kontaktsperre herausführen.
  • Alle Kinder brauchen für das digitale Lernen geeignete Endgeräte. Wenn die Familien das nicht leisten können, müssen Möglichkeiten über die Schulen, das Bildungs- und Teilhabepaket oder den Digitalpakt gefunden werden.
  • Öffentliche Einrichtungen mit stabilem WLAN wie Bibliotheken sollten Arbeitsmöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler schaffen, denen Zuhause der Zugang fehlt (mit Lehrkräften als Ansprech- und Aufsichtspersonen).
  • Die Schulschließung darf sich nicht negativ auf die Bewertungen niederschlagen; die Einhaltung der Lehrpläne ist nicht wichtiger als die Chancengerechtigkeit.
  • Gerade an Schulen mit besonderen Herausforderungen sollten Mentoring- und Tutoren-Programme ausgebaut werden, um eine angemessene Betreuung zu gewährleisten.
  • Über den Sozialhaushalt des Bundes sollten Schulen schnell und unbürokratisch an zusätzliche Ressourcen gelangen.
  • Freizeitangebote in festen Kleingruppen während der Sommerferien helfen gegen die sozialen und pädagogischen Verluste der Corona-Krise.

Zitate von Margit Stumpp:

„Mich besorgt, dass die Bildungsungerechtigkeit aufgrund der Schulschließungen und des Homeschoolings größer zu werden droht. Hier besteht dringender Handlungsbedarf: Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Kontexten brauchen besondere Ansprache und  Unterstützung von ihren Lehrinnen und Lehrern; sie brauchen den Zugang zu Tablets oder Laptops – sei es in der Schule oder als eigene Geräte -,  um beim digitalen Unterricht nicht abgehängt zu werden. Im Bildungs- und Teilhabepaket muss das zwingend abgebildet werden oder auch durch Anpassungen beim Digitalpakt Schule.“

„Es ist erforderlich, dass wir neben Diskussion von Hygienefragen auch kreative Wege zulassen und ausprobieren, mit denen Kindern und Jugendliche geholfen werden können, aus der Vereinsamung zu kommen und Bildungschancen zu eröffnen. Dafür brauchen Schulen den Freiraum, auch mal ungewöhnliche Lösungen auszuprobieren. Was gut funktioniert, sollte kopiert werden.“

„In der aktuellen Situation ist es enorm wichtig, dass Schülerinnen und Schüler weiterhin pädagogisch betreut werden und eine Anlaufstelle für Fragen und Probleme haben. Lehrerinnen und Lehrer sollten – sofern nicht bereit geschehen – den Kontakt suchen und intensivieren, sowohl digital, telefonisch und auch mithilfe persönlicher Begegnungen, selbstverständlich unter Wahrung der Abstands- und Hygienebestimmungen. Neben der Schule kann dies auch im Freien, in Stadtteilzentren oder Bibliotheken stattfinden.“

Die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete u. a. über unser Papier.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht Required fields are marked *
Du kannst folgende HTML tags und Attribute benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>